Turnierbericht:

 

Deutsche Schach-Sparkassenmeisterschaft 2011 im Schachdorf Ströbeck

 

Ein Bericht von Thorsten Zehrfeld.

 

GM Uwe Bönsch (weiß) – Thorsten Zehrfeld (schwarz)

 

Springer schlägt d5!

 

Es war gegen ein Uhr Nachts als mir dieser Plan eingefallen war und meine bis dahin um’s Überleben kämpfende Stellung mit diesem taktischen Figurenopfer einer aussichtsreichen Wendung bedachte. Aber ich will jetzt nicht vorweg greifen…

 

In einem kleinen beschaulichen Harzer Örtchen namens Schachdorf Ströbeck trafen sich nun zum 8. Mal über 64 Sparkassler aus ganz Deutschland um Ihren Schachmeister zu küren. Von der Spielstärke her war für jeden etwas dabei. Vom Anfänger über Ligaspieler bis zum Meisterkandidaten wurde in Gruppen unterschiedlichem Leistungsniveaus gegeneinander gefochten.

 

Ströbeck blickt auf eine 1.000-jährige Schachgeschichte zurück. Der Historie nach heißt es, dass ein Bischof all denen Steuerfreiheit versprach, die es Schachspielens mächtig waren. Seither spielen jung und alt, Handwerker und Landwirte Schach. Ja selbst zu Hochzeiten darf ein Bursche sein Madl nur dann ehelichen, wenn er eine Schachpartie gegen den Dorfobersten gewonnen hatte. Alternativ dazu musste der Bursche das ganze Dorf zum Feste einladen.

 

Die Auftaktveranstaltung bildete eine Simultanvorstellung des deutschen Bundestrainers und Großmeisters Uwe Bönsch. Dieser hatte zu später Stunde inzwischen 33 Siege eingefahren und nur vier Unentschieden abgegeben. Eigentlich wollte ich bereits um 10 im Bett sein, denn am nächsten Morgen begann die Meisterschaft recht früh. Aber manchmal läuft es einfach ein bisschen anders als man denkt. Und so saß ich zu später Stunde als letzter verbliebener Spieler am Brett. Springer schlägt d5 um ein Uhr Nachts. Dieser Zug kann zum Sieg führen, wenn ich genau spiele. Aber jetzt zeigte sich die ganze Klasse eines Bundestrainers, so dass wir uns am Ende nach einem intelligenten Rückopfer mit einem leistungsgerechten Unentschieden trennten.

 

Am nächsten Morgen begann das eigentliche Turnier. Nach drei Spielen hatte ich in der A-Gruppe nur ein mageres halbes Pünktchen auf meinem Konto – es ging wohl nur noch um Schadensbegrenzung. Nach mehreren Punkten in Folge freute ich mich am Ende über einen 6. Platz.

Es ging aber nicht nur ums Schach spielen. Die Ströbecker legten sich richtig ins Zeug. Neben dem Auftritt einer Lebendschachgruppe auf dem Dorfplatz, einem Theaterstück, Musik und Geschichten aus 1.000 Jahren verging die Zeit wie im Fluge. Auf der großen Abendveranstaltung gab es keine „Gegner“ mehr. Es würde viel gelacht, getanzt, über den einen oder anderen Zug, den man hätte spielen und sein lassen sollen philosophiert.

 

Der darauf folgende Sonntag wurde mit einem Blitzschachturnier abgeschlossen. Ungeachtet der lang andauernden Feierlichkeiten des Vorabends packte viele der Ehrgeiz auf eine gute Platzierung. Mit einem vierten Platz war ich sehr zufrieden.

 

Ein bewegendes Wochenende mit vielen Erlebnissen neigt sich dem Ende. Ein besonderer Dank gilt der Harzsparkasse für die sehr gute Turnierorganisation sowie den Einwohnern des Schachdorf Ströbeck für die aufgeführten Festivitäten und familiäre Gastfreundschaft.